Wie funktioniert ein Thermovorhang gegen Kälte? Die Wissenschaft
Ein Thermovorhang gegen Kälte funktioniert, indem er eine unbewegte Luftschicht zwischen der kalten Scheibe und dem Rauminneren bildet. Diese vom dichten Gewebe eingeschlossene Luftschicht wirkt als natürlicher Dämmstoff, genau nach dem Prinzip der Doppelverglasung. Je schwerer und mehrschichtiger das Gewebe ist (620 g/m² bei Kurtens), desto wirksamer die Barriere: bis zu 7 °C gemessener Unterschied zwischen der Oberfläche der Scheibe und der Raumseite des Vorhangs*.
Dieser Ratgeber erklärt die Wissenschaft hinter der textilen Dämmung, warum ein dicker Vorhang nicht ausreicht, wie Dichte und mehrschichtiger Aufbau die tatsächliche Leistung bestimmen, und unter welchen Bedingungen der thermische Gewinn am höchsten ist.
Das physikalische Prinzip: Luftschicht, Masse und Strahlung
Die thermische Dämmung eines Vorhangs beruht auf drei physikalischen Mechanismen, die sich addieren:
Die unbewegte Luftschicht (der Hauptmechanismus)
Unbewegte Luft ist einer der besten natürlichen Dämmstoffe (Wärmeleitfähigkeit: 0,026 W/m.K, gegenüber 1,0 für Glas und 0,16 für Ziegel). Wenn ein Vorhang vor einem Fenster hängt, schließt er eine Luftschicht von 5 bis 15 cm zwischen Scheibe und Gewebe ein. Diese Luftschicht bremst den Wärmeaustausch erheblich, denn Wärme überträgt sich nur schwer durch Luft, die sich nicht bewegt.
Genau das ist das Prinzip der Doppelverglasung: Zwei durch eine Luftschicht (oder Argongas) getrennte Scheiben dämmen weit besser als eine einzelne dicke Scheibe. Der Vorhang erzeugt diesen Effekt vor dem bestehenden Fenster.
Der Masseeffekt (die physische Barriere)
Ein dichtes und schweres Gewebe nimmt einen Teil der Wärmeenergie auf, statt sie durchzulassen. Das Massegesetz gilt in der Thermik wie in der Akustik: Je schwerer das Material, desto stärker bremst es die Übertragung. Ein Vorhang mit 620 g/m² nimmt 3 bis 4 mal mehr Energie auf als ein Vorhang mit 150 g/m².
Das Blockieren der Infrarotstrahlung
Im Winter gibt die kalte Scheibe eine Infrarotstrahlung in den Raum ab und erzeugt das Gefühl einer Kältewand, selbst in einem beheizten Raum. Ein dichter verdunkelnder Vorhang blockiert diese Strahlung und verhindert, dass die Scheibe die Raumluft durch Strahlung abkühlt. Das beseitigt das Kältegefühl, wenn Sie sich bei geschlossenem Vorhang dem Fenster nähern.
Warum ein dicker Vorhang nicht ausreicht
Der Unterschied zwischen einem dicken Dekovorhang und einem technischen Thermovorhang ist keine Frage des Marketings. Es ist ein messbarer physikalischer Unterschied:
| Vorhangtyp | Dichte | Aufbau | Thermischer Gewinn | Mechanismus |
|---|---|---|---|---|
| Gardine | 80-150 g/m² | 1 dünne Schicht | 0-1 °C | Keine Barriere, die Luft durchdringt das Gewebe |
| Dicker Dekovorhang | 150-300 g/m² | 1-2 Schichten Standardgewebe | 1-2 °C | Bremst die Konvektion leicht |
| Thermovorhang Mittelklasse | 300-500 g/m² | 2-3 Schichten mit Futter | 2-4 °C | Luftschicht + mäßige Masse |
| Hochleistungs-Thermovorhang | 500-620+ g/m² | 3+ technische Schichten | 5-7 °C | Luftschicht + hohe Masse + IR-Blockade |
Der Unterschied zwischen 1-2 °C und 5-7 °C ist in der Praxis erheblich. 1 °C Gewinn ist nicht wahrnehmbar. 5-7 °C bedeuten das vollständige Verschwinden des Kältegefühls am Fenster und eine messbare Reduzierung der Heizungsbeanspruchung.
Die kritische Schwelle liegt bei 500 g/m². Darunter hat das Gewebe nicht genug Masse, um eine wirksame thermische Barriere zu bilden. Darüber arbeiten die drei Mechanismen (Luftschicht, Masse, IR-Blockade) mit voller Leistung.
Die 3 Schichten eines technischen Thermovorhangs
Ein Hochleistungs-Thermovorhang nutzt Schichten mit ergänzenden Funktionen, nicht einfach dickeres Gewebe:
- Schicht 1 (Raumseite): dichtes Dekogewebe. Nimmt die ersten Wärmewellen auf und sorgt für die Optik. Die Kurtens-Vorhänge bieten 7 Farben (Grau, Cremeweiß, Creme, Mintgrün, Grün, Flieder, Blau), alle mit denselben thermischen Leistungen*.
- Schicht 2 (Zwischenschicht): hochdichtes Volumenvlies. Das ist der Kern der Dämmung. Das Volumenvlies schließt Luft in seinen Fasern ein und bildet eine dämmende Masse. Je dichter es ist, desto wirksamer ist es.
- Schicht 3 (Fensterseite): technische Membran. Blockiert die Infrarotstrahlung der kalten Scheibe und verhindert die direkte Wärmeübertragung. Diese Schicht sorgt auch für die 100 % Verdunkelung*.
Die Thermovorhänge gegen Kälte von Kurtens kombinieren diese 3 Schichten zu insgesamt 620 g/m², mit drei Leistungen in einem einzigen Gewebe: bis zu 7 °C thermischer Gewinn*, 100 % Verdunkelung* und 22 dB Schalldämmung*.
Unter welchen Bedingungen ist der thermische Gewinn am höchsten?
Der Gewinn von 7 °C* ist ein unter optimalen Bedingungen gemessenes Maximum. Unter realen Bedingungen hängt der Gewinn von mehreren Faktoren ab:
Die Art der Verglasung
- Einfachverglasung (Ug ~5,8 W/m².K): maximaler Gewinn. Die Scheibe ist sehr kalt, der Unterschied zwischen Scheibe und Raum ist groß. Der Vorhang schöpft sein gesamtes Potenzial aus.
- Ältere Doppelverglasung (Ug ~2,8-3,0 W/m².K): deutlicher Gewinn. Die Scheibe ist weniger kalt, bleibt aber die thermische Schwachstelle der Wand.
- Hochleistungs-Doppelverglasung (Ug ~1,1-1,4 W/m².K): geringerer, aber wahrnehmbarer Gewinn, vor allem um den Kaltwandeffekt und die Konvektionsströme zu beseitigen.
Die Abmessungen des Vorhangs
Ein zu schmaler oder zu kurzer Vorhang lässt die Kälte an den Seiten und unten durch. Ein Vorhang, der nicht 15 bis 20 cm über jede Seite des Fensters hinausragt, verliert 30 bis 40 % seiner thermischen Wirksamkeit. Die Kälte umgeht das Gewebe genauso, wie ein Luftzug ein Hindernis umgeht.
Für maximale Leistung muss der Vorhang:
- 15 bis 20 cm über jede Seite des Fensters hinausragen
- Bis zum Boden reichen (maximal 2-3 cm Abstand)
- 5-10 cm von der Scheibe entfernt angebracht sein (optimaler Abstand für die Luftschicht)
Deshalb ist die Maßanfertigung den Standardgrößen überlegen: Ein nach den genauen Fensterabmessungen gefertigter Vorhang beseitigt seitliche Leckagen und schöpft 100 % des Dämmpotenzials aus. Konsultieren Sie den Größenratgeber, um richtig zu messen.
Die Außentemperatur
Je kälter es draußen ist, desto größer ist der Unterschied zwischen Scheibe und Raum und desto mehr Wirkung hat der Vorhang. In einer Nacht bei -5 °C ist der Gewinn maximal. An einem Tag bei 10 °C ist der Gewinn geringer, weil der Grundunterschied schwächer ist.
Funktioniert der Thermovorhang auch im Sommer?
Ja. Dasselbe physikalische Prinzip gilt in umgekehrter Richtung. Im Sommer erreicht die der Sonne ausgesetzte Scheibe 40 bis 50 °C. Der geschlossene Thermovorhang blockiert die Sonnenstrahlung (60 bis 80 % der Wärme) und verhindert, dass die heiße Scheibe den Raum durch Strahlung und Konvektion aufheizt.
Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber Lösungen, die nur im Winter dämmen (Folie, Zusatzverglasung): Der Vorhang schützt im Winter vor Kälte UND im Sommer vor Hitze. Die französische Umweltverordnung RE2020 stellt im Übrigen Anforderungen an den Sommerkomfort in Neubauten, ein Beleg dafür, dass die sommerliche Überhitzung ein anerkanntes Problem ist. Um dieses Thema zu vertiefen, lesen Sie unseren Artikel Schlafzimmer im Sommer zu heiß: 5 Lösungen.
Was Sie sich merken sollten
Ein Thermovorhang funktioniert dank drei physikalischer Mechanismen: der unbewegten Luftschicht (natürlicher Dämmstoff), dem Masseeffekt (das dichte Gewebe nimmt die Wärmeenergie auf) und dem Blockieren der Infrarotstrahlung. Die Leistung hängt von der Dichte (mindestens 500 g/m² für einen echten Gewinn) und vom mehrschichtigen Aufbau (3 Schichten mit ergänzenden Funktionen) ab.
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*Daten aus Tests unter optimalen Bedingungen.
Häufige Fragen
Wie funktioniert ein Thermovorhang gegen Kälte?
Ein Thermovorhang bildet eine unbewegte Luftschicht zwischen der kalten Scheibe und dem Raum. Unbewegte Luft ist ein hervorragender natürlicher Dämmstoff (Leitfähigkeit 0,026 W/m.K). Das dichte Gewebe (620 g/m² bei Kurtens) nimmt die Wärmeenergie auf und blockiert die Infrarotstrahlung der Scheibe. Ergebnis: bis zu 7 °C Unterschied zwischen der Oberfläche der Scheibe und der Raumseite des Vorhangs*.
Was ist der Unterschied zwischen einem dicken Vorhang und einem Thermovorhang?
Ein dicker Standardvorhang (150-300 g/m²) bringt nur 1-2 °C Gewinn, weil seine Masse nicht ausreicht, um eine wirksame thermische Barriere zu bilden. Ein technischer mehrschichtiger Thermovorhang (500+ g/m²) erreicht 5-7 °C dank drei Schichten mit ergänzenden Funktionen (dichtes Gewebe + Volumenvlies + Membran). Die kritische Schwelle liegt bei 500 g/m²: darunter ist die Dämmung nur kosmetisch.
Wie viel Grad gewinnt man mit einem Thermovorhang?
Der Gewinn hängt von der Dichte des Vorhangs und der Art der Verglasung ab. Dekovorhang (150-300 g/m²): 1-2 °C. Thermovorhang Mittelklasse (300-500 g/m²): 2-4 °C. Hochleistungs-Thermovorhang (500+ g/m²): 5-7 °C. Der Gewinn ist bei Einfachverglasung am höchsten (sehr kalte Scheibe) und bei neuerer Doppelverglasung geringer, aber in beiden Fällen wahrnehmbar.
Funktioniert ein Thermovorhang im Sommer gegen Hitze?
Ja. Dasselbe physikalische Prinzip gilt in umgekehrter Richtung: Im Winter verhindert der Vorhang, dass die Kälte der Scheibe in den Raum eindringt, im Sommer blockiert er 60 bis 80 % der Sonnenstrahlung und verhindert, dass die heiße Scheibe (40-50 °C bei voller Sonne) den Raum überhitzt. Ein einziger Vorhang für beide Jahreszeiten.
Ist der Thermovorhang bei Doppelverglasung wirksam?
Ja. Selbst eine neuere Doppelverglasung (Ug 1,1 bis 3,0 W/m².K) hat einen 3 bis 7 mal geringeren Wärmewiderstand als eine gedämmte Wand (U 0,2 bis 0,5 W/m².K). Das Fenster bleibt die thermische Schwachstelle der Wohnung. Der Vorhang fügt eine zusätzliche Dämmschicht hinzu, beseitigt den Kaltwandeffekt und reduziert die Konvektionsströme entlang der Verglasung.
Warum muss der Vorhang über das Fenster hinausragen?
Ein Vorhang, der am Fensterrand endet, lässt die Kälte das Gewebe an den Seiten und unten umgehen. Die kalte Luft sinkt an der Scheibe herab, strömt unter dem Vorhang hindurch und steigt im Raum wieder auf. Ein Überstand von 15-20 cm an jeder Seite und ein Fall bis zum Boden schließen diese Durchgänge. Ohne Überstand verliert der Vorhang 30 bis 40 % seiner thermischen Wirksamkeit.
Wie hoch ist die Wärmeleitfähigkeit von Luft?
Unbewegte Luft hat eine Wärmeleitfähigkeit von 0,026 W/m.K, was sie zu einem der besten natürlichen Dämmstoffe macht. Zum Vergleich: Glas hat eine Leitfähigkeit von 1,0 W/m.K (40 mal leitfähiger), Ziegel 0,16 W/m.K und Glaswolle 0,035 W/m.K. Deshalb ist das Einschließen einer unbewegten Luftschicht zwischen Scheibe und Vorhang so wirksam: Die Luft übernimmt die Dämmarbeit.