Brandschutzklassifizierung von Vorhängen in ERP: Leitfaden zur Vorschrift
Die Brandschutzklassifizierung von Vorhängen in öffentlich zugänglichen Einrichtungen (frz. ERP) ist in den Artikeln AM 11 bis AM 13 des Erlasses vom 25. Juni 1980 und in der Norm NF P 92-507 geregelt. Entgegen einer verbreiteten Annahme ist M1 (französische Brandschutzklassifizierung) nur in eingehausten Treppenräumen und bei Bühnenvorhängen vorgeschrieben. Verkehrswege (Flure, Eingangshallen) und Räume über 50 m² verlangen M2. Hotelzimmer unter 50 m² unterliegen keiner gesetzlichen Pflicht zur M-Klassifizierung der Vorhänge.
Dieser Leitfaden ist eine vollständige rechtliche Referenz: die genauen Texte Artikel für Artikel, die Anforderungen je nach ERP-Typ (O, J, L, N, R, W), die Kategorien, was die Sicherheitskommission prüft und die Konformitäts-Checkliste vor einer Begehung.
Rechtsgrundlage: die 3 maßgeblichen Texte
Der rechtliche Rahmen stützt sich auf das Zusammenspiel von drei Quellen:
- Erlass vom 25. Juni 1980: Brandschutzordnung für öffentlich zugängliche Einrichtungen (frz. ERP), Kapitel III, Artikel AM 1 bis AM 14. Artikel AM 1 verweist auf die Norm NF P 92-507 für "Ausstattungs-, Dekorations- und großvolumige Möblierungsmaterialien" und macht diese Norm damit rechtlich verbindlich.
- Erlass vom 21. November 2002: betreffend das Brandverhalten von Bau- und Ausstattungsprodukten. Sein Anhang 2 legt die Klassifizierung M0 bis M4 der Ausstattungsmaterialien fest, darunter Vorhänge, Behänge und Stores.
- Norm NF P 92-507 (Februar 2004): beschreibt die technischen Kriterien der Klassifizierung M1 bis M4. Ursprünglich eine technische Norm, erhält sie durch den ausdrücklichen Verweis in Artikel AM 1 verbindliche Geltung.
Artikel AM 11, AM 12 und AM 13: die Einzelheiten
Artikel AM 11: das grundlegende Verbot
§1: Es ist strikt verboten, Behänge, Türvorhänge, Vorhänge oder Stores quer über Verkehrswege (Flure, Verbindungswege, Notausgänge) anzubringen. Dieses Verbot ist absolut: Keine M-Klassifizierung macht diese Praxis zulässig.
§2: einzige Ausnahme: Sind Brandschutztüren mit Lambrequins oder Vorhängen versehen, müssen diese Textilien mindestens M2 klassifiziert sein.
Artikel AM 12: Anforderungen nach Standort
Behänge, Türvorhänge, Vorhänge und Stores müssen folgende Anforderungen erfüllen:
- a) Eingehauste Treppenräume: Materialien der Kategorie M1 (nicht entflammbar). Dies ist der einzige Bereich, in dem M1 für Vorhänge ausdrücklich verlangt wird.
- b) Sonstige Verkehrswege und Räume mit einer Grundfläche über 50 m²: Materialien der Kategorie M2 (schwer entflammbar). Dies betrifft Flure, Eingangshallen, Restaurants, Frühstücksräume, Seminarräume und Gemeinschaftsbereiche über 50 m².
Was NICHT unter Artikel AM 12 fällt: Räume unter 50 m², die keine Verkehrswege sind (Standardzimmer, kleine private Salons). In diesen Bereichen wird durch diesen Text keine M-Klasse für Vorhänge vorgeschrieben.
Artikel AM 13: Bühnen und Podien
Vorhänge von Bühnen und Podien müssen zwingend M1 klassifiziert sein. Diese Anforderung gilt unabhängig von der Fläche des Bereichs.
Die französische M-Klassifizierung und die Entsprechung zu den Euroklassen
| Französische Klassifizierung (NF P 92-507) | Euroklasse (EN 13501-1) | Brandverhalten |
|---|---|---|
| M0 | A1, A2-s1,d0 | Nicht brennbar |
| M1 | B-s1,d0 / B-s2,d0 | Nicht entflammbar |
| M2 | C-s1,d0 / C-s2,d0 | Schwer entflammbar |
| M3 | D-s1,d0 | Mittel entflammbar |
| M4 | E, F | Leicht entflammbar |
Die beiden Systeme bestehen nebeneinander. Ein Prüfprotokoll kann die M-Klassifizierung oder die Euroklasse oder beide angeben. Die Euroklassen-Kriterien sind präziser: "s" (smoke) misst die Rauchentwicklung (s1 = gering), "d" (droplets) misst die brennenden Tropfen (d0 = keine).
Anforderungen nach ERP-Typ: die vollständige Tabelle
| ERP-Typ | Beispiele | Eingehauste Treppenräume | Verkehrswege (Flure, Hallen) | Räume > 50 m² | Zimmer < 50 m² | Bühnen/Podien |
|---|---|---|---|---|---|---|
| O (Hotels) | Hotels, Familienpensionen | M1 | M2 | M2 | Nicht vorgeschrieben | M1 |
| J (Pflegeheime) | Pflegeheime, Seniorenresidenzen | M1 | M2 | M2 | Durch AM 12 nicht vorgeschrieben (M2 empfohlen, schutzbedürftige Personen) | — |
| L (Veranstaltungen) | Theater, Kinos | M1 | M2 | M2 | — | M1 |
| N (Gastronomie) | Restaurants, Bars | M1 | M2 | M2 | — | — |
| R (Bildung) | Schulen, Kindertagesstätten | M1 | M2 | M2 | — | M1 |
| W (Büros) | Büros, Verwaltungen | M1 | M2 | M2 | — | — |
| U (Gesundheitswesen) | Kliniken, Pflegezentren | M1 | M2 | M2 | M2 (Bestimmungen Typ U, unabhängig von der Fläche) | — |
Wichtige Unterscheidung Typ J und Typ U: Pflegeheime werden als Typ J eingestuft (Aufnahmeeinrichtungen für ältere Menschen). Kliniken und Pflegezentren werden als Typ U eingestuft (Gesundheitswesen). Das sind zwei verschiedene Typen. Beim Typ J fallen Zimmer unter 50 m² nicht ausdrücklich unter AM 12 (gleiche Logik wie beim Hoteltyp O). Beim Typ U schreiben besondere Bestimmungen M2 in den Zimmern vor, unabhängig von ihrer Fläche. Beim Typ J bleibt M2 angesichts der Schutzbedürftigkeit der Bewohner empfohlen. Prüfen Sie die genaue Klassifizierung Ihrer Einrichtung bei Ihrer Prüfstelle.
Hotels: Kumulierung von ERP-Typen
Jedes Hotel ist eine öffentlich zugängliche Einrichtung vom Typ O. Ein Hotel kann jedoch mehrere Typen kumulieren, wenn es Tätigkeiten umfasst, die der externen Öffentlichkeit zugänglich sind:
- Typ N (Restaurant, Bar): wenn der Bereich der externen Öffentlichkeit zugänglich ist (nicht nur den beherbergten Gästen vorbehalten)
- Typ L (Tagungsräume): wenn die Vermietung auch Nicht-Gästen zugänglich ist
- Typ X (Schwimmbad, Spa): wenn Nicht-Gästen zugänglich
- Typ M (Geschäft): wenn der externen Öffentlichkeit zugänglich
Sind diese Bereiche ausschließlich den beherbergten Gästen vorbehalten, behält das Hotel allein die Klassifizierung Typ O. Da sich ein Gast nicht gleichzeitig in seinem Zimmer und in einem anderen Bereich aufhalten kann, gibt es keine Kumulierung der Personenzahl.
ERP-Kategorien und Häufigkeit der Kontrollen
| Kategorie | Maximale Personenzahl | Begehung der Kommission |
|---|---|---|
| 1. Kategorie | Mehr als 1 500 Personen | Alle 3 Jahre |
| 2. Kategorie | 701 bis 1 500 Personen | Alle 3 Jahre |
| 3. Kategorie | 301 bis 700 Personen | Alle 3 Jahre |
| 4. Kategorie | 100 bis 300 Personen | Alle 3 Jahre |
| 5. Kategorie | Weniger als 100 Personen | Alle 5 Jahre (nur Hotels*) |
*Hotels sind die einzigen öffentlich zugänglichen Einrichtungen der 5. Kategorie, die einer verpflichtenden Begehung durch die Sicherheitskommission unterliegen, aufgrund der Schutzbedürftigkeit der schlafenden Personen.
Was die Sicherheitskommission prüft
Die beratende Departementskommission für Sicherheit und Barrierefreiheit (frz. CCDSA) setzt sich zusammen aus dem Bürgermeister der Gemeinde (oder seinem Vertreter), einem oder mehreren Feuerwehrleuten, einem Vertreter der nationalen Polizei oder der Gendarmerie und gegebenenfalls einem staatlichen Bediensteten der Departementsdienste. Sie kontrolliert für Textilien die folgenden Punkte:
- Prüfprotokoll zur Brandschutzklassifizierung: ausgestellt von einem zugelassenen Labor (LNE, CSTB, Apave, Efectis). Muss im Sicherheitsregister enthalten sein.
- Übereinstimmung Protokoll/Produkt: Das Protokoll muss dem tatsächlich installierten Stoff entsprechen.
- Korrekter Standort: M1 in den eingehausten Treppenräumen, M2 in den Verkehrswegen und Räumen > 50 m², M1 auf den Bühnen.
- Keine Vorhänge quer über Verkehrswegen: Verbot AM 11 §1.
- Zustand der behandelten Vorhänge: Datum der letzten Nachimprägnierung.
Das Sicherheitsregister muss außerdem enthalten: die Berichte der Prüfstellen (jährliche Prüfung von Gas, Elektrik, Aufzügen, Entrauchung, Alarmanlagen), den Bericht der jährlichen Begehung der Feuerlöscher und die Bescheinigung über die Brandschutzschulung des Personals.
Bei einer ablehnenden Stellungnahme können der Bürgermeister oder die staatlichen Dienste die Einrichtung verwaltungsrechtlich schließen.
Konformitäts-Checkliste vor der Begehung
Die Konformität der Textilien in öffentlich zugänglichen Einrichtungen beruht auf 6 Prüfpunkten vor jeder Begehung der Sicherheitskommission. Die Kommissionen kontrollieren die Einrichtungen der Kategorien 1 bis 4 alle 3 Jahre und die Hotels der 5. Kategorie alle 5 Jahre. Ein nicht konformes Textil ist ein häufiger Grund für eine ablehnende Stellungnahme und kann zu einer verwaltungsrechtlichen Schließung der Einrichtung führen.
- Aktuelles Sicherheitsregister: Prüfprotokoll zur Brandschutzklassifizierung für jede installierte Vorhangreferenz archiviert.
- Übereinstimmung Protokoll/Produkt: prüfen, dass der eingesetzte Stoff dem Protokoll entspricht.
- Geprüfte Standorte: M1 eingehauste Treppenräume + Bühnen. M2 Verkehrswege + Räume > 50 m². Kein Vorhang quer über einem Verkehrsweg.
- Daten der Nachimprägnierung: bei chemisch behandelten Vorhängen Datum der letzten Nachimprägnierung dokumentiert und innerhalb der Fristen (12-18 Monate).
- Kennzeichnung: Markierung an den Vorhängen mit Protokollreferenz, um die Kontrolle vor Ort zu erleichtern.
- Vollständiges Register: jährliche Prüfberichte + Schulungsbescheinigung des Personals.
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Für den vollständigen Leitfaden zu den Arten der Brandschutzausrüstung und den kombinierten Leistungen: schwer entflammbare Vorhänge M1/M2: vollständiger Leitfaden. Für die Lösungen nach Branche: Hotellerie, Pflegeheime, Büros, Restaurants.
Hinweis: Dieser Leitfaden wird zu Informationszwecken und in zusammengefasster Form bereitgestellt. Er ersetzt weder die Konsultation der offiziellen Rechtstexte (Erlass vom 25. Juni 1980, Erlass vom 21. November 2002, Norm NF P 92-507) noch die Stellungnahme einer zugelassenen Prüfstelle oder eines spezialisierten Juristen. Die genannten Rechtsverweise können sich durch Änderungen der Vorschriften ändern. Prüfen Sie die Aktualität der Texte bei den zuständigen Stellen.
Häufige Fragen
Ist M1 in den Fluren eines Hotels vorgeschrieben?
Nein. Flure, Eingangshallen und Verkehrswege (außer eingehausten Treppenräumen) verlangen M2, nicht M1 (Artikel AM 12 b). Nur eingehauste Treppenräume (geschützte Treppenhäuser, Fluchtwege) verlangen M1 (Artikel AM 12 a). M1 wird in den Verkehrswegen für eine maximale Sicherheit empfohlen, ist aber nicht vorgeschrieben. Achtung: Es ist verboten, Vorhänge quer über die Verkehrswege anzubringen (AM 11 §1), unabhängig von der Klassifizierung.
Braucht man M1- oder M2-Vorhänge in Hotelzimmern?
Für Zimmer unter 50 m²: keine gesetzliche Pflicht zur M-Klassifizierung (die Artikel AM 11-12 erfassen diese privaten Bereiche nicht). Für Suiten ab 50 m²: M2 vorgeschrieben (Artikel AM 12 b). Versicherer, Hotelketten und Prüfstellen können auch in Standardzimmern vertraglich M1 oder M2 vorschreiben. Unsere Empfehlung: mindestens M2 überall, um diesen Anforderungen vorzugreifen.
Darf man einen Vorhang quer über einen Hotelflur anbringen?
Nein, das ist nach Artikel AM 11 §1 strikt verboten. Es ist verboten, Behänge oder Vorhänge quer über die Verkehrswege (Flure, Verbindungswege, Ausgänge) anzubringen. Keine M-Klassifizierung macht diese Praxis zulässig. Einzige Ausnahme: textile Verkleidungen an Brandschutztüren, die mindestens M2 sein müssen (AM 11 §2). Vorhänge entlang der Wände oder vor den Fenstern der Flure sind in M2 zulässig.
Verlangt ein Hotelrestaurant M1?
M2, wenn der Saal 50 m² überschreitet (Artikel AM 12 b). Nicht M1. Ist das Restaurant der externen Öffentlichkeit zugänglich, kumuliert das Hotel die Typen O und N, aber die Anforderungen bleiben gleich (M2 für Räume > 50 m²). M1 wird für die maximale Sicherheit eines stark frequentierten Bereichs empfohlen, ist aber durch die Texte nicht vorgeschrieben.
Werden Hotels der 5. Kategorie kontrolliert?
Ja, alle 5 Jahre. Hotels sind die einzigen öffentlich zugänglichen Einrichtungen der 5. Kategorie, die einer verpflichtenden Begehung durch die Sicherheitskommission unterliegen, aufgrund der Schutzbedürftigkeit der schlafenden Personen. Die Kategorien 1 bis 4 werden alle 3 Jahre kontrolliert. Die Kommission tritt auch vor der Eröffnung einer neuen Einrichtung und bei umfangreichen Arbeiten in Aktion.
Braucht ein kleiner Hotelsalon von 30 m² M2?
Nein. Artikel AM 12 b erfasst nur Räume mit einer Grundfläche über 50 m². Ein kleiner privater Salon unter 50 m², der außerhalb der Hauptverkehrswege liegt, unterliegt keiner Pflicht zur M-Klassifizierung der Vorhänge. Wie bei den Zimmern wird M2 empfohlen, um den Anforderungen der Versicherer und Prüfstellen vorzugreifen.
Wie bereitet man die Begehung der Sicherheitskommission vor?
Prüfen Sie 6 Punkte: Sicherheitsregister mit Prüfprotokoll zur Klassifizierung für jeden Vorhang, Übereinstimmung Protokoll/installiertes Produkt, M1 in den eingehausten Treppenräumen und auf den Bühnen, M2 in den Verkehrswegen und Räumen > 50 m², kein Vorhang quer über den Verkehrswegen, aktuelle Daten der Nachimprägnierung für die behandelten Vorhänge. Das Register muss außerdem die jährlichen Prüfberichte und die Schulungsbescheinigung des Personals enthalten.